In den Kronen des Waldes

Gemächlich zieht sich der Nebeln durch die Blätter, vorbei an Bächen, über Stein und Wurzel. Er legt sich mit seinem seichten Film über das Moos und verschluckt den Boden, bis es aussieht als würden die Bäume aus den Wolken wachsen.

Mittendrin läuft sie, mit ihren Blick unbewegt nach vorne gerichtet, blind und nackt im seichten Licht. In ihrer ursprünglichen Form, scheint es, als würde sie nicht weniger zum Wald gehören, als es die Tiere und Gewächse tun, die ihn nie verlassen haben. Sie stürzt nicht, hat sie doch beinahe ihr ganzes Leben hier verbacht. Die unzähligen Stunden des wanderns, von Kind auf, haben sie eins werden lassen mit ihrem Wald, als wäre ihr jede Erhöhung, jeder Strauch und Halm mit Namen bekannt. Hin und wieder hält sie an, bei Eiche und Kiefer und fährt mit ihren Händen über die Rinde, fast so als würde sie einen alten Freund begrüßen.

Mit ihrer Nacktheit, eingebettet in der Ureigenheit des Waldes, gibt sie der Stille einen Frieden, den kein Vogelruf zu stören vermag. Die Farbe ihres Haars, nicht mehr als ein Spiel aus Schatten und Licht, undefinierbar wie ihr Schreiten selbst, ihre Füße nicht zu sehen, meint man doch sie würde schweben.

Im Dorf erzählte man uns schon früh von Waldgeistern und Feen. Und wenn die Geschichten wahr sind, so hab ich ihre Königin im Nebel gesehen. Am frühen Morgen, die Nacht kaum aus dem Haus, hätte ich sie doch gerne an meinen Tisch eingeladen und mir ihre Geschichten aus alter Zeit angehört, wird es sie wahrscheinlich solange schon geben, wie den Nebel und die Bäume selbst.

Man erzählt, dass die Feen die Sprache aller Tiere sprechen. Vielleicht kann sie ein gutes Wort einlegen, bei Reh und Hirsch und meine Jagd segnen, sorge ich daheim doch für Frau und Kind. Nur, habe ich mir auch vorgenommen, sie zu rufen, so schien es mir in dem Moment selber so unangemessen, ja beinahe als Verbrechen, ihren lieblichen Gang zu stören, war ich sowieso wie versteinert und eines Wortes nicht fähig.

Aber wie soll ich vergessen? Verlangt mich nun zu allen Zeiten, nichts mehr als ihren Namen zu kennen, ihn im Schlaf zu rufen, bin doch auch ich nur ein Sohn dieses Waldes. So bleibt mir nichts, als auf den Nebel zu warten und zu früher Stunde hinaus zu wandern und selbst wenn ich des Alters wegen keinen Schritt mehr tun kann, so sehe ich doch von meinem Fenster Bäume und Lichtung. Hier werde ich sein und sitzen, bis ich nicht mehr sein soll und dich suchen, in den Kronen des Waldes.

written by: F.K Zufall

1 Antwort zu “In den Kronen des Waldes”

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